Unterstützte Kommunikation: Wenn ein Umzug mehr ist als Möbelrücken

25.03.2026 | Neuigkeit

Unterstützte Kommunikation: Wenn ein Umzug mehr ist als Möbelrücken

Das tagewerk.fuhle – heute tagewerk.osterbek – ist im letzten Jahr erfolgreich umgezogen. Für das Team und die Beschäftigten war es ein großer Schritt. Doch obwohl vor, während und insbesondere bei den Kolleg*innen eine gewisse Vorfreude mitschwang, tauchten zugleich auch wichtige Fragen auf: Wie bereitet man die Beschäftigten auf eine so große Veränderung vor? Und wie erklärt man einen Umzug Menschen, die nicht oder nur eingeschränkt über Lautsprache kommunizieren können?

Veränderungen sind spürbar – aber nicht jede*r kann es in Worte fassen

Für viele Beschäftigte im Tagewerk sind Routinen wichtig. Sie geben Struktur und Sicherheit. Schon kleine Veränderungen können verunsichern – ein Umzug bedeutet daher eine besonders große Umstellung im Alltag.

Fragen wie „Wo komme ich hin?“, „Was passiert mit meinen Sachen?“ oder „Wer begleitet mich?“ stehen häufig im Raum. Viele Klient*innen können diese Fragen nicht direkt stellen. Manches bleibt unausgesprochen, aber keineswegs unbemerkt.

Unterstützte Kommunikation als Schlüssel

Deshalb begann die Vorbereitung lange vor dem eigentlichen Umzug. Im Mittelpunkt stand ein Kommunikationskonzept, das auf die individuellen Bedürfnisse der einzelnen Beschäftigten abgestimmt war.

Der zentrale Ansatz dabei: Unterstützte Kommunikation (UK), dessen Einsatz weit über Bildkarten, Gebärden oder Talkern hinausging.

Hierbei wurde UK im Tagewerk eingesetzt, um die Beschäftigten auf den Umzug vorzubereiten. Geschulte Mitarbeitende (die an der internen UK-Fachkraftschulung teilgenommen haben), eine*r UK-Fachberater*in im Team und aus der Dienstleistungsentwicklung arbeiteten dabei eng zusammen. Auch externe Unterstützung, die Wohnangebote der Klient*innen sowie Familien und Angehörige wurden einbezogen.

„Wir hatten ein vielfältiges Netzwerk“, sagt Sandra Tokarski, Leitung des Tagewerks. „Uns war klar: Diesen Umzug müssen wir gemeinsam erklären.“

Bilder, Kalender und Rituale schaffen Orientierung

In der Praxis bestand die Vorbereitung aus vielen kleinen Bausteinen. Schritt für Schritt entstand ein System, das den Umzug verständlich machte.

  • Abreiß- und Ankreuzkalender machten sichtbar, wie lange es noch bis zum Umzug dauert.
  • Fotos vom neuen Gebäude und den Räumen zeigten, wohin es gehen würde.
  • Symbole und Metacom-Bilder erklärten Abläufe rund um den Umzug.
  • Gemeinsame Gebärden unterstützten Gespräche unabhängig von Bildern.
  • Tägliche ritualisierte Gespräche boten Raum für Fragen und Orientierung.

Kommunikation endet nicht an der Tür des Tagewerks – Wohnassistent*innen, Familien und Eltern machen mit

Wichtig war dabei, dass die Informationen nicht nur im Tagewerk blieben. Kalender, Fotos und Gebärden wurden auch in die Wohnbereiche der Klient*innen und an Familien weitergegeben.

Die Menschen im Umfeld der Beschäftigten kennen deren Gewohnheiten und Unsicherheiten oft sehr genau. Gleichzeitig bringen viele Wohnangeboten und Familien bereits eigene Erfahrungen in Unterstützter Kommunikation mit. So wurde gemeinsam ein durchgängiges System entwickelt, das Informationen nicht nur vermittelt, sondern unterstützt, Sicherheit bietet und Gespräche ermöglicht.

Der Umzugstag – ruhiger als erwartet

Als der Umzug schließlich stattfand, war die Stimmung ruhiger als erwartet. Viele Beschäftigte wussten bereits, was passieren würde, wohin sie gehen und dass ihre Dinge nicht verloren gehen.

Ankommen im neuen Alltag

Nach dem Umzug begann ein zweiter, leiser Teil des Umzugs: das Einleben und Ankommen im neuen Gebäude. Auch hier spielte Unterstützte Kommunikation eine wichtige Rolle. Sie half dabei, neue Strukturen zu lernen, Routinen zu entwickeln und Orientierung zu behalten.

Mehr als ein Ortswechsel

Der Umzug des tagewerks.fuhle zeigt deutlich, wie wichtig Kommunikation ist, gerade dort, wo Worte nicht selbstverständlich sind. Unterstützte Kommunikation öffnet Türen: zu Verständnis, zu Begegnung und zu echter Teilhabe.